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Details zu Klootschen/Bosseln

 

Bosseln (spätmhd. Bozeln „klopfen, schlagen“ zu ahd. Bozzan „stoßen“; Beim Bosseln geht es für 2 oder mehr Mannschaften darum, durch abwechselndes Werfen einer schweren Kugel möglichst weit auf der Straße voranzukommen. Die Kugel wiegt mindestens 500 Gramm, ist ursprünglich aus Holz und hat einen Bleikern. Mittlerweile wird auch mit Gummi und Kunststoffkugeln mit einem Gewicht von über einem Kilo gespielt. Es gibt keine festen Regeln, sondern jeder Werfer setzt an dem Landepunkt des Vorwerfers an. Wer das erste Mal in Ostfriesland mit dem Auto unterwegs ist, wird mit Sicherheit irgendwann auf ein unbekanntes dreieckiges Warnschild mit der Aufschrift „Achtung! Boßeln!“ treffen. Auf der Straße finden sich dann Markierungen, die die zu werfende Länge anzeigen. Und wenig später kommen sie dann schon: ein oder zwei Duzend Ostfriesen, manche mit langen Stangen in der Hand, alle konzentriert den Flug einer Hartholzkugel verfolgend, die gefährlich schnell über die Fahrbahn saust. Das Klootscheln (Klootschießen) der Ostfriesen wurde zwar erst im 18. Jahrhundert zum ersten Mal urkundlich erwähnt, aber sicher ist, dass seine Geschichte viel weiter zurück reicht. Es heißt, dass der aus Lehm oder Klei gebrannte „Kloot“ (Klumpen) in seinem Ursprung eine Verteidigungswaffe war. So soll schon der Römer Tacitus berichtet haben, dass die Friesen mit Wurfgeschossen aus sonnengebrannten Lehmkugeln Eindringlinge aus ihrem Land vertrieben. Später entwickelte sich daraus ein Sport, in dessen Umfeld das Wetten, Trinken und Feiern der begeisterten Zuschauer dermaßen Überhand nahm, dass er sogar eine zeitlang (wie auch das Bosseln) verboten wurde. Nicht dass das die Ostfriesen davon abgehalten hätte... Heutzutage besteht der Kloot aus einer Buchholzkugeln die in drei Richtungen kreuzweise durchbohrt und mit Blei gefüllt ist, 58 mm im Durchmesser und gut ein halbes Kilo schwer. Nach einem 25 Meter langen Anlauf folgt eine komplizierte Kombination aus Bein- und Armbewegungen, in deren Verlauf der Werfer eine Rampe hinaufspringt, den Wurfarm weit nach hinten reißt und den Kloot in einer fast 360 Grad weiten Wurfbewegung von unten nach Vorne schmeißt und dabei die volle Wucht der Sprungbewegung mitnimmt. Gute Werfer erreichen damit beachtliche Weiten. Der Ostfriese Geerd Geerdes stellte 1934 einen legendären Rekord von 101,50 Metern auf, der erst 1995 durch den Auricher Harm Henkel gebrochen wurde. Heute liegt der Weltrekord bei 106,20 m, geworfen von dem Norder Stefan Albarus am 30.06.1996.

 

Link zur Verbandsseite: www.bosseln-online.de